Die Rosskastanie - strahlend im Frühling - Stress im Sommer
Im Jahr 2005 steht eine der schönsten, bekanntesten und beliebtesten Stadt- und Alleebaumarten im Mittelpunkt: die Gemeine Rosskastanie, Aesculus hippocastanum L. Selbst Kinder kennen diese Baumart schon, und lieben sie. Ebenso wie Erwachsene, denn sie macht uns viermal im Jahr Freude: im Winter mit ihren großen Knospen, im April beim Erscheinen der großen gefingerten Blätter, im Wonnemonat Mai mit ihrem orchideenhaften Blütenmeer und im Herbst mit den großen glänzenden Samen. Aber sie kämpft derzeit mit einem Schädling, der ihre Kronen schon im Juli in Herbst verwandeln kann. Und es gibt viel Interessantes von ihr zu berichten.Kastanie – fast jeder kennt sie also, die Kinder spielen mit den braunen Früchten, die besonders schön glänzen, wenn sie frisch aus der stacheligen Schale platzen und auf dem Weihnachtsmarkt kann man sie geröstet als „heiße Maroni“ kaufen – kann man nicht !! Wieso nicht ? Ross-Kastanie sagt doch, dass die Früchte für Pferde gut sind. So berichtet 1557 ein kaiserlicher Arzt aus Konstantinopel seinem Kollegen nach Prag: „Häufig kommt hier eine Art Kastanie vor, die das Wort Ross als Beinahmen hat, weil sie erkrankten Pferden, besonders bei Husten und Wurmerkrankungen Erleichterung verschafft.“ Also: was sind denn nun heiße Maronen? Rosskastanien – oder doch nicht ? Der Professor der Forstbotanik, Dr A. Roloff, der den Text des Informationsfaltblatts des Kuratoriums Baum des Jahres verfasst hat, löst das Rätsel.
Woran erkennt man eine Rosskastanie – was ist für sie charakteristisch?
Die Rosskastanie ist (Vorsicht!) nicht mit der Ess- oder Edel-Kastanie zu verwechseln, selbst wenn die Früchte auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Die Blätter und Blüten aber nicht! Die Rosskastanie ist dagegen mit dem Ahorn so nahe verwandt, dass Botaniker sie nach neuesten Erkenntnissen gemeinsam mit diesem in eine botanische Familie stellen: die Seifenbaumgewächse.Bei der rotblühenden Rosskastanie, die in kleinen Gärten und in Fußgängerzonen der Städte sehr beliebt geworden ist, handelt es sich übrigens um eine Kreuzung zwischen der Gemeinen Rosskastanie und der nordamerikanischen Pavie.
Habitus
Einen freistehenden älteren Baum erkennt man schon von weitem als Rosskastanie an der runden Krone, die aus der Ferne wie ein wolkiger, großer Ball aus Zuckerwatte aussieht. Von Nahem sieht man die Triebemit auffallend großen Knospen, die glänzen und klebrig sind – Zuckerwatte? Natürlich nicht, aber interessant genauer inzusehen – was sagt der Botanikprofessor?
Am Habitus einer Rosskastanie fällt sofort ihre wolkige Kronenstruktur auf. Man hat direkt den Eindruck, dass viele Äste in der Krone sich nicht mit ihren Nachbarästen "absprechen".
Schaut man sich dann die Zweige genauer an, so erkennt man die dicken jungen Triebe mit den größten Knospen aller häufigen Baumarten. Selbst Kindern sind diese monströsen Organe oft schon bekannt, vor allem da die Knospen aufgrund von Harzausscheidung auch noch glänzen. Und kleben. Fassen Sie mal eine Kastanienknospe an – das merken Sie sich für eine Weile (nachdem die Finger wieder sauber sind)! Bei den Knospenschuppen fallen immer einige auf, die an der Spitze ein paar zipfelartige Fiederblättchen tragen und sich offenbar nicht recht entscheiden konnten, ob sie Schuppe oder Blatt werden sollten. Dies nennen Botaniker Übergangsblätter.
Blätter
Fast ebenso bekannt und wie die braunen Früchte mit dem hellen Fleck, dem Nabelfleck, sind die markanten Blätter der Rosskastanie.Die Rosskastanie ist eine der ersten Bäume, die ihre Blätter entfaltet. Und sie tut es sehr schnell. Solchen hoffnungsvollen Frühlingsboten wurde schon immer viel Aufmerksamkeit zuteil. Beispielsweise in der Schweizer Stadt Bern, wo seit 1808 das Ausbrechen der Blätter aus den Knospen genau registriert wird. Das fast unglaubliche Ergebnis: Die ersten Blattspitzen zeigen sich bei den Berner Kastanien heute rund sieben Wochen früher als vor knapp 200 Jahren. Die letzten zwei, drei Jahrzehnte brachten dabei die stärksten Verschiebungen – nicht nur in Bern.
Die Kastanie - Dokumentarin der schleichenden Klimaveränderung !
Zurück zu den Blättern mit einer „Träufelspitze“ am Ende jedes Fiederblattes. Diese sorgt dafür, dass das Wasser schnell abläuft.
Können Sie sich erinnern ? Sie haben sie sicher schon gesehen, kein anderer Laubbaum bildet so seine Blätter. Sind es fünf oder sieben Fiederblättchen, die vom Ende des Blattstiels ausgehen ? weiter >>
Stamm
Die Rosskastanie ist häufig „drehwüchsig“. Können Sie sich etwas unter „Drehwuchs“ bei einem Baum vorstellen? Was dreht sich da oder was hat sich gedreht – wie bei einem Seil oder Schraube? Kann man das äußerlich erkennen?Und dann betrachten wir den Stamm: mit seiner groben Schuppenborke und bei genauerem Hinsehen auffallendem Drehwuchs, den 90% der Rosskastanien aufweisen. Die Holzstrukturen sind dabei längs des Stammes nicht genau senkrecht orientiert, sondern verdreht. Unter Wissenschaftlern wird diskutiert, ob dieser Drehwuchs angeboren ist oder durch die Erddrehung bzw. durch das Wandern der Sonne bedingt sein kann. Wir lassen das hier offen und beteiligen uns nicht an dieser Diskussion. Viel wichtiger: achten Sie mal drauf, ob Sie den Drehwuchs erkennen.
Rosskastanien können bis 2m dick, 25-30m hoch und 300 Jahre alt werden.





